ROYAL RUMBLE 2008: DIE ERGEBNISSE
 
Nächster Halt: Orlando

NEW YORK – John Cena ist wieder da! Und nach einem kleinen Zwischenstopp zum Royal Rumble am Broadway führt die Comeback-Tour des „Champs“ ihn auf die größte Bühne des Sports-Entertainment.

Alle gingen davon aus, dass Cena noch eine ganze Weile würde aussetzen müssen – bis zu einem Jahr, hieß es -, nachdem er sich vor weniger als vier Monaten den Brustmuskel gerissen hatte. Doch nachdem er unsere Fans auf der ganzen Welt völlig überrascht und mit der Nummer 30 in das Royal-Rumble-Match eingegriffen hatte, ließ Cena die Fans im ausverkauften Madison Square Garden völlig ausrasten, denn er schleuderte Triple H über das oberste Seil und gewann so das Royal-Rumble-Match 2008. Mit diesem Sieg hat Cena bei WrestleMania XXIV – die am Sonntag, dem 30. März, in Orlando/Florida stattfindet - eine Welt-Champion-Titel-Chance gegen einen Titelträger seiner Wahl in der Tasche.

Da der Royal Rumble das wohl einzigartigste Match in der WWE ist, gab es bereits zahlreiche Überraschungen und Höhepunkte, bevor sich Cena als letzter Teilnehmer auf den Weg zum Ring machte. So zogen die beiden Finalisten des letztjährigen Rumbles – der Undertaker und Shawn Michaels – die Nummern 1 und 2 und waren damit das erste Superstar-Tandem, das einen Rumble beendete und den nächsten eröffnete. Anders als im Vorjahr warf jedoch HBK im weiteren Verlauf des Abends Das Phänomen aus dem Ring.

Der kleinste Royal-Rumble-Teilnehmer – Hornswoggle – zog die Nummer 9...und versteckte sich sofort unter dem Ring. Er tauchte nur einmal auf, und zwar, als er The Miz aus dem Rennen warf. Als er ein zweites Mal erschien, zog Mark Henry ihn in den Ring. Finlay kam heraus, um den Kobold zu beschützen; doch als der Ire mit seiner Shillelagh auf alle Männer im Ring losging, wurde er disqualifiziert – und nahm leider auch gleich Hornswoggle mit.

Zwei WWE-Ruhmeshallen-Mitglieder überraschten die Fans in der ausverkauften Halle ebenfalls: Jimmy „Superfly“ Snuka und „Rowdy“ Roddy Piper griffen mit den Nummern 18 und 19 ins Geschehen ein und wurden mit stehenden Ovationen empfangen. Leider konnten sie ihre 25-jährige Rivalität nur kurz wiederaufleben lassen, denn beide Legenden wurden von Teilnehmer Nummer 20, Kane, aus dem Ring geschleudert.

Nachdem 29 Superstars zum Ring gekommen waren, machte sich der dreifache WWE-Champion Cena mit der Startnummer 30 auf den Weg zum Geviert und wurde von den Fans im MSG mit lautem Jubel empfangen. Während Cenas Einzugs-Musik gespielt wurde, blickte The Game völlg ungläubig auf das, was er da sah. Cena deutete auf seine operierte rechte Schulter und rief „Du und ich – los geht’s!“ in Richtung The Game – und schon entbrannte eine wilde Schlacht.

Letztlich standen noch drei der größten und beliebtesten Superstars der WWE-Geschichte im Ring: Batista, Triple H und Cena. Nachdem The Game Das Tier aus dem Ring geworfen und damit seinen früheren Evolution-Kumpel düpiert hatte, waren nur noch die beiden Männer übrig, die vor zwei WrestleManias den WWE-Titel untereinander ausgemacht hatten.

20.798 rasende Fans waren zwischen den beiden Superstars hin und her gerissen – und die beiden Finalisten enttäuschten sie nicht. Gerade sah es so aus, als würde der Kopf-Killer Cena in den letzten Minuten des Matches mit dem Pedigree abfertigen, da stemmte “Der Champ” The Game auf seine Schultern und schleuderte ihn auf den Hallenboden. Damit hatte Cena endlich einmal das Royal-Rumble-Match gewonnen und sich das Recht erworben, am 30. März gegen einen Champion seiner Wahl anzutreten.

Cena wird ohne Zweifel versuchen, bei WrestleMania XXIV im „Sunshine State“ Gold zu erringen...doch gegen welchen Champion will er antreten? Wird er sich auf den WWE-Champion-Titel – der momentan von Randy Orton gehalten wird – stürzen und versuchen, sich den Titel zurückzuholen, den er im Ring nie verlor...und zwar von dem Mann, der ihn nie besiegte? Oder will Cena einen anderen Berg erklimmen und seinen Erzrivalen herausfordern: den Welt-Schwergewichts-Champion Edge? Oder macht er Jagd auf den neuen König, nämlich den ECW-Champion Chavo Guerrero? Diesen Titel hat Cena bisher ja noch nie gehalten.

Gegen wen er bei WrestleMania XXIV auch antreten mag, eins steht fest: „Der Champ“ ist wieder da – und er ist besser denn je und hungrig auf Gold.

Das Schicksal auf der Seite des Legenden-Töters

Vor ihrem Titelmatch beim Royal Rumble glaubten einige Kritiker, dass das Schicksal – vor allem aber ein Twist of Fate – auf Jeff Hardys Seite sei und sich gegen den WWE-Champion Randy Orton verschwören würde. Immerhin hatten Ortons persönliche Kopfspielchen, mit denen er zuvor etliche Gegner besiegen konnte, beim Intercontinental-Champion keinerlei Wirkung gezeigt. Im Gegenteil: Hardy hatte Orton in den Wochen vor der Großveranstaltung wiederholt von den Beinen geholt und ihn sogar in die Notaufnahme geschickt. Der Angriff auf Jeffs Bruder Matt hatte den Wunsch des jüngeren Hardy, WWE-Champion zu werden, nur noch verstärkt.

Doch an diesem Abend stoppte Orton Jeff Hardys Sturm an die Spitze. Der „Krieger mit den regenbogenfarbenen Haaren“ muss sich allerdings nicht schämen. Als unsere Fans im ausverkauften New Yorker Madison Square Garden „Hardy! Hardy!“ riefen, blickte sich Jeff um, verbeugte sich und winkte dann ins Publikum. Ein stark schwitzender und atemloser Hardy konnte sich kaum noch aufrappeln. Jeff verließ den Garden zwar nicht mit der wichtigsten Trophäe des Sports-Entertainment, könnte sich aber mit seiner Swanton Bomb auf den Platz des Dauer-Herausforderers auf den WWE-Champion-Titel katapultiert haben.

Die persönlichen Probleme zwischen den beiden Superstars – und Jeffs offensichtlicher Wille, alles zu tun, um Orton den WWE-Champion-Titel abzunehmen – machten das Rumble-Match zu einer mit unglaublicher Spannung erwarteten Auseinandersetzung. Die Fans im Garden staunten immer noch über Hardys 10-Meter-Swanton Bomb auf Orton, die beide ins Krankenhaus gebracht und Raw einen „Verdammte *****!“-Moment beschert hatte. An jenem Abend übermittelte Hardy eine deutliche Botschaft: Er wollte Orton tatsächlich abfertigen und sich den WWE-Champion-Titel holen – selbst wenn man ihn anschließend mit dem Gold in der Hand auf einer Trage wegbringen musste.

Wo hätte man einen weiteren „Verdammte *****!“-Moment besser erleben können als im Mekka des Sports-Entertainment, dem Madison Square Garden? Unsere Fans erwarteten eine regelrechte Schlacht zwischen Hardy und Orton – und die bekamen sie auch. Jeffs typischer waghalsiger Stil war für alle wieder einmal deutlich erkennbar; doch gleichzeitig ging er mit einer Wut auf den Superstar der dritten Generation los, die selbst seine langjährigen Beobachter staunen ließ.

Es gibt allerdings einen Grund, warum der Legenden-Töter den Ruf einer Giftschlange hat. Wie schon so oft zuvor, setzte Orton seinen tödlichen Biss genau in dem Moment, in dem er in die Enge getrieben wurde und am Rand einer Niederlage stand. Hardy musste erkennen, dass Ortons RKO genau so unerwartet kommen kann wie ein Twist of Fate. Und dieser RKO führte zu Jeffs Niederlage.

Während Orton aus dem Ring schlitterte und seinen WWE-Champion-Gürtel hochstemmte, buhten die New Yorker, belegten ihn mit Schimpfworten, die wir hier nicht wiedergeben können, und grüßten ihn – mit dem Mittelfinger nach oben. Ob man es nun gerne zugibt oder nicht, der Legenden-Töter baut weiter an seiner „Ein-Mann-Dynastie“.

Doch vielleicht sieht Orton Jeff Hardy wieder. Dies war nicht Jeffs Abend; doch er könnte noch einige weitere erleben. Eines Tages könnte der WWE-Champion-Titel auch Jeff Hardys Schicksal sein.

Es bleibt in der Familie

Die Familie, die zusammenhält – und zusammen betrügt – setzte sich beim Royal Rumble wieder einmal durch. Die Einmischung der SmackDown-Präsidentin Vickie Guerrero ermöglichte es Edge, Rey Mysterio zu besiegen und dem Madison Square Garden mit Glück und dem Welt-Schwergewichts-Champion-Gürtel zu entkommen.

Der Big Apple bekam einen guten Eindruck von Edges absoluter Niedertracht, die der Nicht Jugendfreie Superstar bei seinem „opportunistischen“ (sprich hinterhältigen) Sieg in der berühmtesten Halle der Welt auch gebührend unter Beweis stellte. Trotz der Unterstützung durch Zack Ryder, Curt Hawkins und seine geliebte SmackDown-Präsidentin hatte Edge den unglaublich vielen und harten Luft-Aktionen seines Gegners kaum etwas entgegenzusetzen.

Mysterio – der diesen Rumble genauso erfolgreich gestalten wollte wie den des Jahres 2006 – ging auf den Champion los und hätte ihm in einigen Situationen fast das Gold abgenommen. Die zahlenmäßige Überlegenheit des Ultimativen Opportunisten und seines Klans wurde weiter reduziert, als Ringrichter Mickie Henson Ryder und Hawkins aus der Halle warf.

Gerade schien es, als sollte sich der Meister des 619 den Welt-Schwergewichts-Champion-Titel zurückholen, da mischte sich das einflussreichste Mitglied der „Guerrero-Familie“ in das Match ein und unterbrach Mysterios Pin-Versuch. Nur wenige Sekunden später bekam Vickie – die aus ihrem Rollstuhl aufgestanden war – vom Herausforderer einen 619 ab. Diese Ablenkung ermöglichte es Edge, sich auf Mysterios West Coast Pop vom Mattenrand vorzubereiten und einen perfekt getimeten Spear in die Rippengegend des maskierten Superstars zu knallen. Diese Aktion brachte Edge den Sieg.

Der Triumph des Nicht Jugendfreien Superstars wurde ohne Zweifel durch seine Familie ermöglicht; und obwohl Edges verletzte Geliebte New York nicht feiernd verließ, blieb der Titel in der Familie.

Ein Flair für Größe

Während sein Lebensunterhalt in einem Karriere Bedrohenden Match auf dem Spiel stand, fand Ric Flair beim Royal Rumble eine Möglichkeit, den Sieg zu erringen und so seine Karriere am Leben zu erhalten. Gerade als MVP glaubte, den Sieg in der Tasche und Flair in Rente geschickt zu haben, entschied der Ringrichter, dass das Match fortgesetzt werden müsse. Damit schenkte er „Naitch“ ein weiteres Leben, das Flair nutzte, um mit Hilfe seines legendären Figure Four Leglocks den Sieg zu erkämpfen.

In den Wochen vor dieser Konfrontation brüstete sich MVP damit, der Superstar zu sein, der die illustre Sports-Entertainment-Regentschaft des 16-fachen Welt-Champions beenden würde. Doch beim Royal Rumble zeigte Flair, warum er seine ganze Karriere über auf dem Space Mountain thronte, denn er nahm seinen vorlauten Gegner auf eine Fahrt mit, die der so schnell sicher nicht vergessen wird.

Durch seine jahrelange Ring-Erfahrung und mit der bedingungslosen Unterstützung eines lautstarken Publikums im ausverkauften Madison Square Garden begeisterte Ric Flair unsere Fans, als er den selbstherrlichen „Playa“ verstummen ließ und so weiter in den Ring steigen darf. Der „Nature Boy“ kämpft mit dem gleichen Feuer und der gleichen Konzentration, die ihn zu einem der gefeiertsten Superstars der WWE-Geschichte gemacht haben. Der „Mann mit den schmutzigsten Tricks im Business“ setzt jedes Mittel ein, das nötig ist, damit das Match in die von ihm gewünschte Richtung läuft.

Böses Blut

Selbst der ungeheuer große Madison Square Garden konnte die negative Energie, die sich zwischen Chris Jericho und JBL aufgebaut hatte, kaum bändigen. Die persönlichen Animositäten zwischen den beiden Superstars explodierten beim Royal Rumble in einer blutigen Schlacht. Dabei bekam das Lonestar-Großmaul zwar am meisten ab, trug aber auch den Sieg davon.

Jericho ging mit seiner ganzen aufgestauten Wut auf seinen Widersacher los. Y2J ist in den letzten Wochen angesichts JBLs abscheulichen Verhaltens geradezu in Rage geraten. So schlang JBL ein Elektrokabel um Y2Js Hals und zog ihn über den Hallenboden. Außerdem ließ er inakzeptable Kommentare in Richtung Jerichos Kinder vom Stapel.

Das Match wurde schnell äußerst körperbetont. In einer Situation schleuderte JBL den Krieger mit dem Löwenherz gegen einen Ringpfosten, wobei sich eine klaffende Platzwunde an Jerichos Stirn öffnete. Doch das Blut, das über Y2Js wutverzerrtes Gesicht strömte, schien ihn nur noch mehr anzustacheln. Das Lonestar-Großmaul verfolgte seinen Erzrivalen anschließend auch außerhalb des Rings. Doch jetzt konnte es Jericho einfach nicht mehr aushalten. Er schnappte sich einen Stuhl, hämmerte ihn gegen JBLs Kopf und verlor so das Match durch Disqualifikation.

Doch Y2J war noch lange nicht fertig. In einer Szene, die an die von vor drei Wochen erinnerte, nahm Jericho ein Elektrokabel, wickelte es um JBLs Hals und zog das Lonestar-Großmaul gegen die Seile.

Die Rivalität zwischen diesen beiden Männern ist gefährlich persönlich geworden. Wie weit werden die Superstars noch gehen, um sich am jeweils anderen zu rächen?